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Freitag 18. September 21:15 - 23:15 . . . Roncalli-Haus Wiesbaden großer Saal
Der Zustand der Trance ist eine im Menschen angelegte Erfahrungsmöglichkeit. Durch Monotonie in Rhythmus und Bewegung können wir unseren Bewusstseinszustand erweitern, in einen Bereich der intensiven Aufnahmefähigkeit bei gleichzeitiger Entspannung vorzudringen. (Trance-Tanz steht hier nicht für Techno-Stilrichtungen.)
Die Aufmerksamkeit geht nach innen. Wir lassen die Bewegungen beginnen. Wir tauchen ein in eine Welt jenseits von Wollen und Tun. Es gibt absolut nichts, was falsch oder richtig sein könnte. Die innere Welt, in der alles möglich ist, bestimmt in diesem Moment unser (Tanz)-Sein.
Erinnerte, phantasierte oder reale Szenen und kreative Ideen mögen mit den damit verbundenen Emotionen auftauchen oder vielleicht ist es auch nur eine tiefe Ruhe, die uns erfüllt.
Wir beginnen und beenden unseren diesjährigen großen Sommer Trance-Tanz gemeinsam. Jeder tanzt für sich, innerlich gehalten im energetischen Feld der Gemeinschaft der Tänzer.
Musikalisch begleiten uns ZhongLines! & Friends. Victor Badeja, Katrin Hefendehl, Karin Huttary und Rigulf Nemitz.
Die Musik entsteht auf über 50 Instrumenten von der Zimbel bis zur Daiko, vom Obertongesang bis zur Flöte improvisiert im Moment des Erklingens. Musik, die aus dem Innen kommt, wilde Rhythmen kennt, ebenso aber auch die zarten Klänge, unendliche Räume, Disharmonie und Harmonie.
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Trance – was ist das eigentlich?
Trance ist etwas ganz Alltägliches. Wenn wir beispielsweise den gewohnten Weg mit dem Auto fahren, wissen wir anschließend oft gar nicht mehr so genau, wie wir nach Hause gekommen sind. Der Kopf schaltet ab, das Fahren geht „automatisch“ und man hängt seinen Gedanken nach. In Trance kommen wir immer im Zusammenhang mit einer gewissen Monotonie. Manchmal reicht dazu ein tropfender Wasserhahn, das monotone Geräusch einer Maschine. Mit der Zeit nimmt man das Geräusch an sich nicht mehr wahr. Ähnlich kann es einem beim Schreiben, Lesen, Malen, Musik hören oder eben auch beim Tanzen ergehen.
Was passiert in der Trance? Hirnphysiologisch betrachtet ist man in der Trance im gleichen Zustand wie kurz vor dem Einschlafen. Man spricht davon, dass das Gehirn im Alpha-Wellen-Bereich ist. In den Alpha-Wellen-Bereich kommt unser Gehirn schon durch das Schließen der Augen. Es ist ein sehr entspannter Zustand, eine Art entspannte Wachheit. Man ist sehr aufnahmebereit und gleichzeitig erholt man sich dabei. Das rationale Alltagsdenken ist gedämpft, andere Ebenen unseres Bewusstseins öffnen sich. Trance ist weder wach sein noch schlafen. Trance ist ein eigener, ganz besonderer Zustand. In diesem Zustand gelingt uns vieles, was uns sonst nicht gelingt. Wir können schnell und leicht entspannen, uns fallen die Antworten auf Fragen ein, die schon lange offen sind, wir haben kreative Ideen, um Probleme zu lösen, wir lernen schnell und tief, wir bekommen Zugang zu tieferen Schichten unseres Selbst, unsere Selbstheilungskräfte werden aktiviert, wir fühlen uns „zu Hause“, in unserer Ganzheit, können zu unserem Sinn und unserer Spiritualität finden. Der Übergang in und aus diesem Trance-Zustand ist allmählich und oft unmerklich. Manchmal spürt man auch so etwas wie Schwellen, an denen man sich immer wieder neu entscheiden kann, ob man in einen weiteren tieferen Raum gehen möchte. Das heißt auch: Man behält immer die Kontrolle!
Trance als Ritual Schon lange vor seiner wissenschaftlichen Erforschung wurde die Wirkungsweise dieses besonderen Zustandes erkannt. In vielen Traditionen und Kulturen finden wir ihn. Am ehesten bekannt ist vielleicht der Trancezustand, in den sich Schamanen begeben, wenn sie heilen, oder der rituelle Tanz von Kriegern vor einer Kampfhandlung. Allen gemeinsam ist der rituelle Rahmen, der sowohl die Schritte in die Trance beinhaltet als auch Sicherheit gebende Elemente für diejenigen in der Trance.
Das Trance-Tanz-Ritual bei Frei-Tanz-Wiesbaden ... kann man verstehen als eine Art Meditation in Bewegung. Wobei Meditation nicht zu verwechseln sein sollte mit Ruhe, es kann auch wild und ekstatisch sein, eben so, wie es sich entwickelt. Alles ist in Ordnung und willkommen.
Eine kleine Bewegungseinleitung erleichtert es, in den Tanz zu finden. Geschlossene Augen ermöglichen einen leichteren Eintritt in den inneren Trance-Raum, daher möchten wir euch das empfehlen. Das Hören und das Spüren wird intensiviert. Unsere Alltagskontrolle, die oft mit den Augen zusammenhängt, darf dann eher in den Hintergrund treten. Menschen begleiten Euren Tanz und achten darauf, dass es zu keinen unangenehmen Berührungen kommt. Die Live-Musiker und ihre Musik schaffen für Euch und sich selbst den Ritualraum. Ihr könnt einfach tanzen, wie es euch gefällt. Wem danach ist, kann sich auch setzen oder legen. Wir signalisieren dies den anderen Tänzern durch Tücher oder Decken, die wir in einiger Entfernung um Euch auf den Boden legen. Jeder ist ganz mit sich und ganz bei sich. Es gibt kein gegenseitiges Sich-Beobachten. Durch die rhythmischen Bewegungen des Tanzens mit Schleifen und Wiederholungen kommt jeder für sich in seinen „Trance-Raum“ und überschreitet mögliche Schwellen nach Lust und Laune. Eingeladen sind auch Atem und Stimme. Hilfreich ist wie immer, die Bewegungen mit dem Atem zu verbinden und auch Geräusche dabei zu machen, die sich gerne bis zu einem eigenen Gesang entwickeln dürfen. Manchmal steckt man andere damit an – so darf sich der Raum auch mit einem gemeinsamen Klang füllen.
(c) 2007 Isabelle Fritzsche
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